Warum es nicht reicht, Symptome zu behandeln

Warum es nicht reicht, Symptome zu behandeln

Wenn Sie an Ihre Arbeit denken, wird der Druck alles zu schaffen immer unangenehmer? Die vielen Aufgaben, die hohen Erwartungen, die immer näher rückende Projekt-Timeline … Ihr Nacken verspannt sich oder der Magen spielt verrückt? Sie wissen selbst, wie es sich bei Ihnen anfühlt, wenn Ihnen auf einmal alles zu viel wird.

Doch was ist, wenn die Arbeit gar nicht die Ursache ist, sondern nur das Ventil, an dem Ihr eigentliches Problem zu Tage kommt?

Das Beispiel eines meiner Klienten macht deutlich, wo das eigentliche Problem liegt – und wie die Lösung zu finden ist:

Klaus K. (Name verändert) ist Teamleiter eines Unternehmens in der Verpackungsindustrie. Er hat ein Problem, das viele kennen: Herr K. kann sich nicht abgrenzen und entsprechend schlecht „Nein“ sagen. Oft lässt er Grenzüberschreitungen zu, die unangenehm, schon fast schmerzhaft sind. Das verschlechtert nicht nur seine Laune, sondern es nagt auch an seinem Selbstbewusstsein. Er ärgert sich über sich selbst und das diffuse Gefühl eines mangelnden Selbstwertes schwächt ihn zunehmend – nicht nur in seiner Qualität als Teamleiter, sondern auch privat.

Lange Zeit gelingt es ihm, das Problem geschickt zu umgehen und sich um eine klare Haltung zu drücken, in dem er z. B. Entscheidungen an sein Team oder Familienmitglieder delegiert. Oft unter dem Deckmantel der Mitbestimmungsfreiheit, in dem er z. B. sagt: „Das kannst du doch selbst entscheiden …“ Doch immer öfter gehen genau diese Entscheidungen dann komplett an seinen eigenen Bedürfnissen vorbei – nur weil er nicht seinem Gefühl folgen und „Nein“ sagen kann.

Doch woher kommt dieses Unvermögen? Menschen mit Abgrenzungsproblemen haben oft schon als Kind gelernt, dass „Nein“ sagen bei anderen auf Ablehnung stößt – und sie damit Gefahr laufen, zum Außenseiter zu werden. Nicht dazugehören ist aber ein denkbar unangenehmes Gefühl, das traurig macht. Niemand will aus seinem sozialen Gefüge ausgegrenzt werden. Entsprechend steigt der eigene Anspruch, sich besonders anstrengen oder es allen recht machen zu müssen. Gleichzeitig fördern diese Verhaltensmuster und Glaubenssätze aber auch den Frust, weil diesen Menschen immer mehr aufgeladen wird.

So nimmt der Druck vor allem in der Arbeit überhand, alles wird zu viel. So ist es auch bei Klaus K. Durch Zufall stößt er in LinkedIn auf mich und erkennt, dass ich mit meiner oft pragmatischen Herangehensweise und meiner Kompetenz aus der Verhaltenstherapie geeignet sein könnte, um ihm zu helfen. Denn er spürte sehr deutlich, dass es so nicht weitergehen konnte, sonst würde er wohl krank werden!

Ich schlage Herrn K vor, nicht etwa in epischer Breite seine Arbeitsbelastung zu analysieren und zu schauen, wo er was wie effizienter machen oder abgeben könnte. Denn das würde mir als Coach zwar viel Geld bringen, aber nicht wirklich helfen, weil es nicht die Ursache des Problems beseitigt, sondern stattdessen nur Abhängigkeiten schafft.

Mein Ansatz ist ein anderer: Ich führe meine Klienten an die Wurzel dessen, was sie belastet oder an etwas hindert und entferne dort das „Übel“. Andernfalls ist es nur wie beim Unkraut zupfen: Wenn die Wurzel drinbleibt, fängt es an anderer Stelle wieder an zu wuchern. Und das will ja keiner!

Folgende meiner hier nur beispielhaften Fragen haben Herrn K geholfen:

  • Kennen Sie das Gefühl von Druck von sich?
  • In welchen Situationen haben Sie das auch schon früher erlebt?
  • Wie sind Sie damals mit Druck umgegangen?

Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich als Fazit sagen: Das Symptom ist nie die Ursache. Und erst wenn die Ursache gefunden wurde – die meist in der Kindheit oder früheren Erfahrungen liegt – kann an einer dauerhaft funktionierenden Lösung gearbeitet werden. Und die finden wir gemeinsam immer.