Worauf kommt es an, wenn uns KI ebenbürtig wird?

Worauf kommt es an, wenn uns KI ebenbürtig wird?

Ich lese gerade ein Buch von Toby Walsh, indem er das Jahr 2062 skizziert – das Jahr, indem uns künstliche Intelligenz (KI) seiner Ansicht nach ebenbürtig sein wird.

Mal angenommen, das wird so kommen. Was folgt daraus?

Dazu passt eine aktuelle Coaching-Erfahrung: Einer meiner Klienten arbeitet seit Kurzem statt mit Menschen nunmehr Seite an Seite mit Maschinen. Er fragt sich, wie es ihm psychisch gelingen kann, stunden-, tage-, monate- und sogar jahrelang mit „jemandem“ zu arbeiten, der nicht spricht und – das ist für den Klienten am meisten belastend – keine eigenen Emotionen zeigt und nicht auf seine Emotionen reagiert?

Die Zusammenarbeit Mensch-Maschine und die psychologischen Folgen daraus gewinnen in Zukunft an Bedeutung. Das zeigen mir auch die zunehmenden Coaching-Anliegen zu diesem Thema.

Warum es unsere Psyche belastet, wenn nicht auf uns reagiert wird

Es ist für uns ungewöhnlich, keine Reaktion zu erfahren, wenn wir ein Bedürfnis zeigen, uns öffnen, wenn es uns offensichtlich einmal nicht gut geht, wir weinen oder wütend sind.

Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht menschliche, echte RESONANZ.

KI kann und wird unserer Arbeit vielfachen Nutzen bringen – wir werden schneller kombinieren und Entscheidungen treffen können. Es werden im Arbeitsalltag weniger Fehler passieren und z. B. Handelsketten lassen sich effizienter abstimmen. KI wird über mehr Wissen verfügen und weitaus mehr Kapazität haben als unser Gehirn.

Was UNS aber heute und wahrscheinlich auch zukünftig von KI, humanoiden Robotern und Maschinen UNTERSCHEIDET, sind unsere Fähigkeiten im Umgang mit Emotionen. Wir können die Bedürfnisse anderer erkennen, einordnen und entsprechend reagieren. Wir können menschliche RESONANZ geben.

Aus all den skizzierten Gründen bin ich davon überzeugt, dass es in der Arbeitswelt von morgen vor allem auf das MENSCHLICHE ankommt.

Emotional intelligent denkende und handelnde Menschen sind es, die uns von Maschinen unterscheiden.

In den Coaching-Terminen mit meinem Klienten haben wir geklärt, was genau ihn emotional anstrengt, welche Resonanz er vor der Veränderung des Arbeitsplatzes erlebt hat, welche Form und Intensität von Resonanz er sich wünscht und was genau ihm nun fehlt.

Wir haben die neue Situation betrachtet und eruiert, wie der Arbeitsplatz gestaltet sein könnte/ müsste, welche Alternativen es gibt, um die gewünschte Resonanz zu bekommen – von der Führungskraft oder Kollegen. Zudem haben wir Möglichkeiten erörtert, mit dem Resonanz-Mangel umzugehen (bspw. laut die Emotion zu benennen und innere Monologe zu stoppen).

Wir haben zudem die Einstellung des Klienten zu seiner Arbeit geprüft, was ihn motiviert, was ihm gefällt. Das Ziel: den Fokusrahmen weg von der Problemorientierung zu verändern.

Worauf es in der Mensch-Maschine-Beziehung generell ankommt

Wichtig ist es, eine gesunde Distanz zur Maschine zu wahren und das Bewusstsein nicht zu verlieren, dass es sich um eine Maschine handelt. Wie Studien zeigen hilft es nicht, die Maschine zu vermenschlichen und möglicherweise sogar Gefühle zu entwickeln.

Praktisch sollten in der Arbeit mit und an Maschinen viele Pausen eingelegt werden, in denen die Monotonie der Maschinenarbeit aufgebrochen, sich bewegt und mit Menschen gesprochen wird.

Wenn Emotionen in der Mensch-Maschine-Interaktion so stark werden, dass es einer verbalen Entlastung bedarf, sollte ein (bestenfalls psychologisch geschulter) Ansprechpartner dafür zur Verfügung stehen.

Sie sind in einer ähnlichen Situation und möchten mit mir darüber sprechen? Ich freue mich auf Ihren Anruf.