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Wie Sie die Angst vor Konflikten verlieren

Reinhard S., Abteilungseiter im Baugewerbe*, hatte die Nase voll. Ständig gab es in seiner Abteilung Zoff zwischen zwei Team-Mitgliedern, die sich nicht riechen konnten, jedes Wort des anderen auf die Goldwaage legten und versuchten, andere „auf ihre Seite zu ziehen“. Die Stimmung in seiner Abteilung wurde immer schlechter und auch alle bisherigen Versuche, den Konflikt zu lösen, waren nicht erfolgreich. Herr S. fühlte sich mit der Situation überfordert, die auch zu Lasten seines guten Rufs als souveräne Führungskraft ging. Er kontaktierte micht mit der Frage, warum er das Problem partout nicht in den Griff bekam?

Eines vorab: Konflikte an sich sind nicht das Problem – sie sind völlig normal. Jeder Mensch hat sein eigenes Wertegerüst, sein privates Umfeld mit dortigen Problemen, seine Erwartungen, Wünsche, Ängste – und all das wird mitgebracht an den Arbeitsplatz. Und je nachdem, wer dort wann und unter welchen Umständen aufeinandertrifft, steckt darin schon eine Menge „Sprengstoff“.

Aber was heißt überhaupt Konflikt? Ein Konflikt liegt bereits dann vor, wenn sich eine Person durch das Verhalten eines anderen über lange Zeit beeinträchtigt fühlt. Sei es im eigenen Verhalten oder auch im Denken und Fühlen. Und das kann in der heutigen Dynamik im Arbeits- und Privatleben schnell passieren. Die Führung auf Distanz mit Hilfe digitaler Kommunikation tut ihr Übriges dazu, da sie sehr viel (manchmal zu viel) Raum für Interpretationen lässt. Jeder interpretiert in Worte etwas anderes – abhängig von der eigenen aktuellen Verfassung und der Beziehung, in der er/sie zum Schreibenden steht.

Viel entscheidender als der Streit selbst, ist Ihr Umgang als Führungskraft mit der Situation.

In vielen Unternehmen werden zwischenmenschliche Probleme vor allem gerne eins: ignoriert. Das berühmte Drei-Affen-Prinzip (nichts sehen, nichts, hören, nichts (be)sprechen) hat dabei fast immer die gleiche Ursache: Angst vor Emotionen. Und zwar sowohl vor den eigenen als auch vor denen der Beteiligten.

Aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass intuitiv die meisten (zumindest psychisch gesunden) Menschen durchaus spüren, wenn Spannungen in der Luft liegen. Dieser Instinkt ist angeboren. Wir alle streben danach, dazuzugehören und uns sicher zu fühlen – und können es kaum aushalten, wenn Dinge „in der Luft liegen“, die nicht geklärt sind und uns verunsichern. Das spannt unglaublich an – und führt am Ende zu Gedankenspiralen, aus denen es schwer auszusteigen ist.

Probleme zu ignorieren, einfach wegzuschieben aus Angst vor emotionalen Reaktionen ist keine Lösung!

Bei vielen Konflikten wird zwar bemerkt, dass sich die Stimmung im Team verschlechtert oder zwei Kollegen nicht mehr „miteinander können“. Es fehlen meist jedoch die Fähigkeiten und Kompetenzen, adäquat auf die Situation reagieren zu können.

Oft höre ich Aussagen wie: „Was mache ich, wenn ich das Thema anspreche und es wird emotional – und vielleicht sogar Tränen fließen?“ Diese Hilflosigkeit gepaart mit Angst, Wut oder Scham ist es, die dazu führt, dass Führungskräfte eher die Augen verschließen und darauf hoffen, dass sich der Konflikt von alleine löst. Aber das ist ein Trugschluss – im Gegenteil: die Situation wird oft sehr schnell sehr belastend. Was deutlich effektiver helfen kann als Teamentwicklung, ist ein Konflikt-Coaching – wie ich es auch mit Peter R. durchgeführt habe.

Der erste Schritt zur Lösung: Hinschauen

Der Prozess der Konfliktklärung beginnt schon damit, Konflikte überhaupt wahrzunehmen. Bereits daran scheitern viele. Woran erkennen Sie also, dass da etwas Belastendes schwelt?

Was bei jedem Konflikt immer zuerst auf der Strecke bleibt, ist die Kommunikation. Menschen reden weniger miteinander, schauen sich nicht mehr an, meiden das Aufeinandertreffen und sprechen statt miteinander viel mehr übereinander. Als Führungskraft erkennen Sie sowohl an der Körpersprache (Mimik, Gestik, Haltung), der para-verbalen Sprache, d. h. wie etwas gesagt wird (schnell, erregt, zittrig, hoch) als auch daran, dass nichts mehr gesagt wird, dass es Spannungen zwischen zwei oder mehreren Personen gibt.

Wichtig für die rasche Konfliktklärung ist es dann, die Kommunikation zwischen den Beteiligten wieder in Gang zu bringen und einen sicheren Rahmen zu schaffen, in dem über die belastende Situation und deren Entstejtung offen gesprochen werden kann.

Der zweite Schritt: Emotionen und Fragen zulassen

Im Konflikt-Coaching setze ich nicht bei den Symptomen an, sondern an der Ursache und baue Ihre emotionalen Fähigkeiten als Führungskraft aus. Dabei finden wir gemeinsam Antworten auf Fragen wie:

  • „Wie reagiere ich souverän, wenn ich einen Konflikt wahrnehme?“
  • Wie behalte ich meine Emotionen im Griff, wenn die Situation schwierig wird?“
  • „Wie ist eigentlich mein eigenes Konfliktverhalten – und ist es hilfreich?“

Konfliktmanagement ist primär Emotionsmanagement – der eigenen und der des Gegenübers.

Nur wer seine Emotionen versteht und sein eigenes Konfliktverhalten kennt, kann Konflikte souverän klären. Wichtig ist dabei, dass Sie selbst keine ungeklärten Konflikte, unzureichendes Selbstvertrauen oder alte, nicht versorgte Wunden mit sich „herumtragen“. Denn so lange Sie mit Ihren eigenen Baustellen beschäftigt sind, sind Sie wenig motiviert, die Konflikte anderer zu klären.

Um als Führungskraft deeskalierend zu wirken, sind auch Ihre Sprache und Ihre Körperhaltung entscheidend. Wer verunsichert in einen Konflikt geht, wird kaum als kompetenter Konfliktklärer wahrgenommen. Zum Glück kann eine deeskalierende Konflikt-Kommunikation – z. B. durch „Ich“-Botschaften – gut geübt werden.

Die Konflikte der anderen bleiben die Konflikte der anderen

Konfliktklärung bedeutet übrigens nicht, dass Sie sich den Konflikt der anderen zu eigen macht. Das wird leider oft missverstanden. Manche glauben, dass sie mit der Konflikt-Auseinandersetzung das Problem dann selbst „an der Backe“ haben. Auch an einer klaren Abgrenzung arbeiten wir im Konflikt-Coaching.

Fazit: Nur wer innerlich klar und mit dem nötigen Selbst-Vertrauen ausgestattet ist, kann konfliktkompetent handeln – und braucht sich vor keinem Problem mehr zu verstecken. Reinhard S. hat dies mit meinem Konflikt-Coaching in den Griff bekommen. Durch sein neues und spürbar sicheres Agieren hat sich die Zusammenarbeit und die Stimmung seiner Mitarbeitenden spürbar verbessert.

Sprechen auch Sie mich gerne an, wenn Sie vor einem ähnlichen Problem stehen. Gemeinsam finden wir die passende Lösung.

*Name und Branche aus Gründen der Vertraulichkeit anonymisiert